Nach der Wende fiel Bulgarien in ebensolche Armut wie andere postkommunistische Länder auch. Auch vorher war hier kein Reichtum. Heute aber sind die Fabriken in den Tälern und kleinen Städten an den Hauptstrassen rostige, leere Ungetüme. Wo sind die Arbeiter, wovon leben sie jetzt? Niemand weiss das genau. Wer ein Häuschen oder ein Stück Land hatte, lebt von seinem Feld und seinem Garten. Eingekauft wird praktisch nichts im Laden, der Tauschhandel zwischen den Bauern funktioniert. Seit einiger Zeit entstanden wieder kleine Genossenschaften. Junge Mädchen prostituieren sich an den Autobahnen entlang. Sicher nicht, weil es ihnen gefällt. Die Roma leben in Plastikhütten auf der Abfallhalde oder in unerträglich schmutzigen Quartieren am Rande von Sofia. Ihr Stigma ist, dass sie es selbst so wollten...
Das Sterben der Dörfer
Wer die Dörfer entleeren will, weiss schon, wie man das macht. Die Praxis ist alt: Man schliesst die Schulen, man reduziert die Infrastruktur, man macht das Leben so unattraktiv, dass die Jungen weggehen. Es funktioniert, auch in Bulgarien, sehr gut. Viele Dörfer sind nur noch von alten Menschen bewohnt, viele Gehöfte verfallen. Auch Einzelgehöfte mit grossem Land dazu - verfallen. Der alte Bauer starb, noch hängt seine Hose über dem Zaun und das Heu quillt aus der malerischen Scheune - doch, das Gras ist hoch, die Bienenstöcke verwaist und der Weg wächst langsam zu. Der Bauer lebte von den Schafen oder von den Ziegen. Im karstigen Gebirge gibt es nicht viel Getreide, ausserdem gibt es wenig Wasser. Wenn die Schafe sterben - vielleicht sollen sie sterben, weil sie in keine Planwirtschaft mehr passen - stirbt das Dorf.
Die Krankheit der Schafe und BSE
Seit einiger Zeit werden die Schafherden von einem Virus heimgesucht, das schweren sozioökonomischen Schaden anrichtet. Das Blue Tongue Virus wird von Mücken übertragen. Er existierte bis anhin nur in Nordafrika. Warum taucht er jetzt in Bulgarien auf? Das Blue Tongue Virus rangiert auf der Liste A des Office International Epizootique. Wie auch die Maul-und-Klauen-Seuche eignet er sich als biologische Waffe. In Bulgarien gab es hingegen keinen einzigen Fall von BSE. Wie ist das zu erklären? Die bulgarische Regierung hat ein Projekt zur Züchtung von indischen Wasserbüffeln initiiert, da diese kein BSE bekommen können. Eine kleine Hilfe für die Bauern.













